<title>Wollweber</title>

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Dimonds are the Girls best friend


Meine Frau liebt außergewöhnlichen Schmuck. Kein Gold oder Silber. Sie trägt ein Lippenpircing und eine Perle als Planting. Außergewöhnlich. Sage ich doch.

Das Diamantentelefon


Onkel Jitze machte decembré ein Geschenk. Der Frau mit dem Telefon wie er sagte.

Ständig hielt sie Kontakt zum Geburtshaus, auch Frauen können Tag wie Nacht bei ihr anrufen sagt sie. Dafür ist sie Hebamme. Ihre Frauen. Die Geburt sei nur der Höhepunkt jeder Schwangerschaft. Was vor und nach der Geburt mit der Frau passiert ist viel wichtiger für die Arbeit einer Hebamme. Onkel Jitzchak fargte ob er ihr etwas schenke dürfe, natürlich schimpfte decembré aber als er mit dem Telefon kam und breit grinste da lachte sie. Eine lange Kette ziert es und über seinen Preis mag ich gar nicht nachdenken.



Ja. So träumte ich gestern von Paris. Auch die neuen Pflegeeltern von den Jungs riefen gestern an. Der große Mann hat unser Album mit ins Zimmer genommen. Das Schloss funktioniert. Er macht zu – und auf! Nachdem wir weg waren beruhigte er sich recht schnell wieder erzählte die Frau. Das schöne: die Familie fährt in den Herbstferien nach Südfrankreich. Er hat ihnen auch vom Urlaub erzählt, er hat verraten das wir einen viel, viel, vieeeel größeren Garten hätten. So groß wie ein Fußballplatz. Und einen eigenen Fluß hätten wir. Ich schmunzelte. Kinderaugen. So ging es mir als ich vor tagen durch den Garten meines Lieblingsmaler Monsieur Monet gelaufen bin. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen die 60 oder 65 Kilometer nach Giverny zu fahren um im Sommergarten Fotos zu machen. Wer den Garten nicht kennt der sollte wissen das er in Frankreich zu den Monuments historiques zählt und in den Französischen Geschichtsbüchern als Naturdenkmal eingetragen ist. Und auch das Haus selbst (in dem man nicht fotografieren darf) muss man gesehen haben. Klar, im Sommer ist viel los dort und man ist nicht wirklich alleine aber ich bin als einer der ersten mit zehn weiteren Besuchern um 8 in der früh durch das gelbe Esszimmer und die blaue Küche gezogen. Und wenn der Meister selbst für einige Tage Giverny verlassen musste, dachte er wohl nur an die Rückkehr. Auf einem Blatt auf dem Tisch steht in geschwungener, Frau französischer Sprache: "Eine Trennung von Giverny träfe mich hart ... nie wieder fände ich einen so schönen Ort". Was niemand, absolut niemand auch nur bezweifeln würde.

Ich glaube, wenn ich so alt wieder Meister selbst, mit einem Rauschebart im Gesicht
in meinem Garten sitze und mich an die Kinder erinnern werde, dann wird all das gut sein.


[ 30.07.2010 | 12:00 Uhr| 2 Kommentare ]

Zum Abschied


Auf der Rückfahrt haben wir nicht viel gesprochen.
Für uns ist der Sommer vorbei.
Die Landschaft gen Südhessen hat sich vernutzt
die Ernte ist eingeholt und unter unseren vorbeifahrenden Blicken
wurden die Farben kühner und platzten
braun und ockerfarben von den Augen ab.
Das Haus in dem die Kinder wohnen werden steht am Rand der Stadt.
Nussbäume Rahmen es ein, braunes, ausgezerrtes Gras grell stackst es uns entgegen und ist ein versprechen auf sattes grün
Spätsommermatt, bräunliche Halme und das Laub am verfärben.
Lautlos werden Nüsse fallen, weggetragen von Eichhörnchen.

So Tapfer war er während sein kleiner Bruder schlief.
Er hat gesungen und Bücher angeschaut: Fritz zieht um.
Im Gepäck haben wir das Türschloss das man selbst zumachen kann
auch wenn man klein ist -
aber vor allem kann man es aufmachen und Menschen hinein lassen
die es gut meinten und gut meinen werden mit ihm.

Seine Pflegemama ist eine kleine schlanke Frau die Bratsche spielt,
sie haben vier Kinder die alle schon älter als 16 sind.
Der Mann ist Studienrat und lehrt an einer Berufsfachschule.
Die jüngste Tochter Mila hat Down Syndrom und war sehr toll.
Beide bekamen eine Holzeisenbahn geschenkt die sie selbst in der
Werkstatt für Behinderte Menschen gebaut hat. Sie will Schreinerin werden.
Die Menschen dort sind nett. Ja.
Das Pflegeamt wurde für drei Jahre bestellt.
Das wird ein längerer Urlaub.
Die Gespräche waren gut.
Ich habe das Gefühl das alles verstanden wurde -
vor allem unsere Sorge.
Beide sagten sie könnten nicht – was wir tun.
Dabei machen sie nichts anderes.
Das mitgebrachte Türschloss haben der Mann
und ich und der kleine Mann eingebaut.
Strahlende Augen.
Sicherheit.

Zum Abschied -
Tränen.


[ 28.07.2010 | 15:20 Uhr| 8 Kommentare ]

Wenn nach einem Telefonat plötzliche Ruhe eintritt


Wenn nach einem Telefonat plötzliche Ruhe eintritt, dann waren es meist keine guten Nachrichten. Heute waren sie beides. Ein wenig gut und ein wenig schlecht. Die beiden Jungen werden Morgen weiterreisen. Gedanken, die leichthin in der Luft kreisen, das Augen schließen schließlich ein wenig Rettung. Für eine kurze Zeit, eine Erfindung letztlich, oder auch einer dieser Zwischenräume wenn man ganz in dem Moment bei sich ist, der Moment von dem man nur hört, ohne ihn richtig zu kennen, zwei Moleküle, zwei Atome, die Gegenstände um uns fügen sich ohnehin und niemals lückenlos zusammen, und ich denke darum reisen die Kinder weiter. Der Urlaub den der Psychologe in unserem Garten am ersten Juli in das Spiegelbild sprach wird Morgen beendet und der nächste beginnt. Urlaub vom alten Leben. Diese Kinder reisen um ein wenig gesund zu werden, sie reisen vielleicht auch, weil dann die Abstände für Überbrückbar gelten. Zwei kleine Menschen die eigentlich unbeschadet ins Leben entlassen werden sollten, hier zur Reparatur wird der morgige Tag wieder etwas kaputt machen. Bei uns und bei ihnen, denn immer geht irgend etwas kaputt bei Abschieden.

Wir dürfen die beiden selbst hin bringen. Gar nicht zu weit weg steht das Haus der Familie. Südhessen. Wir werden eine große tasche packen können, wir werden erzählen können, uns ein Bild machen. Heute habe ich Fotos ausgedruckt. So lange stand ich bei Rossmann an einem dieser Fotodrucker und habe Bilder auswerfen lassen. Ein Album ist entstanden. Wir haben zusammen gesessen, uns Bilder angeschaut und eingeklebt. Wir haben geschrieben was an den Orten passiert ist, wir haben Handabdrücke bemalt und unsere Stempel hinterlassen. Ein großes dickes Album für zwei kleine Männer die morgen wieder verreisen.

Und ich werde Morgen traurig sein. Noch viel mehr als ich es jetzt schon bin.


[ 27.07.2010 | 21:48 Uhr| 8 Kommentare ]
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